Wir aktualisieren momentan unser Webseiten Design um die Erfahrung auf unserer Website zu verbessern.

Geistliches Wort

September 2021

Ihr sät viel und bringt wenig ein; ihr esst und werdet doch nicht satt; ihr trinkt und bleibt doch durstig; ihr kleidet euch, und keinem wird warm; und wer Geld verdient, der legt's in einen löchrigen Beutel. 

Haggi 1,6

„Keinen schlimmeren Fluch hat die Technik über uns gebracht, als daß sie uns verhindert, auch nur für einen Augenblick der Gegenwart zu entfliehen. ... uns erst war es vorbehalten, alles in der gleichen Stunde und Sekunde wissen und  mitempfinden zu müssen.“ Stefan Zweig zieht dieses Resümee – bereits 1942, als er über Die Welt von Gestern schreibt. Aktuell nicht weniger wahr. Unser Hier und Jetzt nimmt uns in Beschlag. Wir verfolgen die Neuigkeiten in den Medien, wir sind im ständigen Kontakt mit unsern Freunden und denen, deren Leben gerade in ähnlichen Bahnen läuft. Wir kommentieren, liken und empören uns in den sozialen Netzwerken. Gedanklich sind wir auf der Höhe der Zeit. Wir tun viel – und doch bleibt ein Unbehagen zurück.

Zu tun, was not ist, was getan werden muss, und es auch noch mit Erfolg und Freude zu tun, das gelingt uns durchaus. Und doch bleibt eine Dürftigkeit unseres Lebens dabei unbearbeitet. Der Prophet Haggai bringt es auf den Punkt. Die Botschaft: Es reicht alles nicht. Sauber, satt, warm war noch nie ausreichend, um als Mensch zu leben. Etwas fehlt. Auch dann, wenn die Welt uns so ablenkt wie heute. Auch dann.

Der Prophet Haggai hat von Gott eine Mission erhalten. Er soll für den Tempelbau werben. Denn der Tempel in Jerusalem ist es, der nach der Rückkehr aus dem Exil immer noch nicht wieder aufgebaut worden ist. Die Vision ist groß: Kommt der Tempel, kommen Segen und Seligkeit. Dann ist das Mühen nicht umsonst, dann wird der Hunger der Seele  gestillt.

Warum ist das so? Gott  ist uns nah. Auf unseren Wegen, in finsteren Tälern, im stillen Kämmerlein. Ganz besonders aber dort, wo wir gemeinsam öffentlich beten.  Wo jede und jeder jederzeit dazukommen kann und  willkommen ist. Nicht allein, weil die Liebe jedem Menschen gilt. Sondern weil unser Gebet sich auf den bezieht, der neben der sichtbaren auch die unsichtbare Welt umfasst. Der Tempel ist der sichtbare Ort, an dem wir über Zeit und Raum hinaus und auf einander hin gewiesen werden.

Unsere Kirchen sind  nicht der Jerusalemer Tempel. Aber doch ein Ort, an dem sich das Unbehagen auflöst und die Seele erfüllt wird.

Einen so erfüllten September wünscht Ihnen
Pastor Meyer-Hansen